Eröffnung der Internationalen Mathematik-Olympiade
Albrecht Beutelspacher | 17. Juli 2009Am 14. Juli 2009 fand in Bremen die Eröffnung der 50. „International Mathematical Olympiad (IMO)“ statt. Es ist nicht nur eine Jubiläums-, sondern auch eine Rekord-IMO: Teams aus 104 Ländern mit insgesamt 573 Teilnehmern! Jedes Land darf bis zu sechs Teilnehmer stellen, die an zwei Tagen in jeweils einer 4,5-stündigen Klausur die besten unter sich aufmachen. Die Aufgaben haben es in sich. Ich zweifle daran, dass auch nur ein nennenswerter Prozentsatz der „normalen“ Mathematikstudenten diese lösen könnten. Ich hätte jedenfalls keine Chance, eine Medaille zu erringen! Ich hatte die Ehre, die Eröffnungsveranstaltung moderieren zu dürfen. Die erste Stunde bestand im Wesentlichen aus einer Videobotschaft der Kanzlerin und Grußworten. Danach wurden die Mannschaften aufgerufen, auf die Bühne zu kommen. Sie kamen jeweils mit der Nationalflagge, manche speziell gekleidet, manche mit einer Grußbotschaft, manche mit Papierfliegern o.ä., die sie in das Publikum warfen und so weiter. Der eindrücklichste Moment war folgender: Seit Jahren versuchen die Teams auch Mädchen so zu fördern, dass sie an der IMO teilnehmen können. Die meisten Teams haben ein bis zwei Mädchen in ihren Reihen. Als nach ungefähr einer Dreiviertelstunde aber die Vereinigten arabischen Emirate aufgerufen wurden, kamen sechs (!) junge Damen auf die Bühne, alle in Schwarz und mit Kopftuch. Das heißt, das war ein rein weibliches Team. Zu Recht erhielt diese Gruppe den größten Applaus!
Am 18. Juli 2009 um 10:39 Uhr
Lieber Herr Beutelspacher,
ich muss gestehen, dass ich über Ihre Begeisterung für Ganzkörperverschleierung, die Sie auch im Interview mit Gabi Bauer (ARD-Nachtmagazin vom 15.07.2009) zum Ausdruck brachten, ziemlich irritiert war, so irritiert, dass ich zu dem Thema sogar eine Diskussion im Forum der Brights-Deutschland eröffnet habe:
http://forum.brights-deutschland.de/viewtopic.php?f=29&t=3080&start=0
Ein rein weibliches Team oder auch ein rein männliches Team, egal ob es sich dabei um eine Mathematik- oder sonstige Olympiade handelt, ist für mich immer ein untrügliches Zeichen dafür, dass da etwas im Geschlechterverhältnis des betreffenden Landes nicht stimmen kann.
Haben Sie sich einmal Gedanken darüber gemacht, warum es kein einziger männlicher Schüler aus den VAE in die Olympia-Mannschaft geschafft hat? Meine These -auch als ehemaliger Lehrer für Deutsch- ist: Während Jungs/Männer aus den reichen Emiraten sich auf die faule Haut legen können, sind Mädchen/Frauen noch die einzigen, von denen auch Fleiß und Disziplin abverlangt wird.
Freundliche Grüße
Gernot Back
(Köln)
Am 18. Juli 2009 um 11:55 Uhr
Ich habe “nur” die Reaktion des Publikums beschrieben. In der Tat hat dieses Team den mit Abatsand längsten Beifall erhalten. Ich habe keine Ahnung, wie gut die jungen Damen mathematisch sind. Und ich maße mir kein Urteil über das Zustandekommen dieses Teams an. Bemerkenswert finde ich die Tatsache allerdings schon.