Übungsaufgaben: ja oder nein?
Albrecht Beutelspacher | 12. Oktober 2007Vielen Dank für die Kommentare. Find ich großartig!
Die Frage nach Übungsaufgaben ist schwierig zu entscheiden. Natürlich hat Jens Recht: Mathematik lernt man im Idealfall durch eigenes Tun. Und auch das ist richtig: Eine Formel anwenden zu können, gehört entscheidend zu ihrem Verständnis.
Ob Übungsaufgaben in dieses Buch gehören, ob sie rein müssen oder vielleicht gar nicht rein gehören, ist aber eine ganz andere Frage. Man könnte ja auch sagen: Übungsaufgaben gibt’s schon jede Menge, und dieses Buch ist “nur” dazu da, die Voraussetzungen zu schaffen, dass Sie Ihre Übungsaufgaben lösen können. (Dabei ist auch zu bedenken, dass Übungsaufgaben auch kein Selbstzweck sind, sondern dazu dienen sollen, Mathematik zu verstehen.)
Aber gerade zu diesem Punkt interessiert mich die Meinung der Studierenden. Vermutlich können wir diesen Punkt aber erst entscheiden, wenn wir gemeinsam ein paar Probeseiten angeschaut und diskutiert haben.
Am 24. Oktober 2007 um 10:55 Uhr
Neben der Vorlesung bieten die meisten Standardwerke meist nur Bespiele, welche mit einem Beweis verbunden sind. Natürlich ist die Beweisführung eines der grundlegendsten Elemente des Studiums, doch hat es mir immer sehr geholfen, wenn ich auch einfach mal rechnen durfte. Ich meine damit nicht, dass mehr Wert auf Kalkülrechnungen gelegt werden sollte, sondern dass ich durch das “Rechnen” das Thema slebst viel besser verstanden habe und es nicht mehr so abstrakt gewirkt hat.
Jetzt bin ich mal auf die Kommentare der anderen Studis gespannt.
Vg Frederik
Am 11. November 2007 um 23:10 Uhr
Das ist auch meine Beobachtung als Professor.
Manchmal denke ich “das hast du wrklich gut erklärt”: Ich habe motiviert, dann die Definition klar formuliert und angeschrieben, die Definition nochmal als Negation wiederholt und noch ein Beispiel dazu angegeben. “Mehr”, denke ich, “kannst Du doch nicht machen!” Und dann habe ich plötzlich die Idee, die Vorlesung 5 Minuten lang zu unterbrechen und die Studierenden ein Beispiel rechnen zu lassen. Kein schwieriges Beispiel, sondern nur mein Beispiel von der Tafel mit anderen Zahlen. - Und dann merke ich, dass die Studierenden “aufwachen” und zurückblättern, nochmals mich fragen (ich merke, sie haben noch fast nichts verstanden), aber dann, durchaus mit Mühe, das Beispiel rechnen.
Insofern bin ich wirklich (zum Teil) dafür, auch ganz einfache Beispiele zu rechnen.